KorrekturKai · Ratgeber · Remonstration Jura: Anleitung und Muster
Ratgeber

Remonstration: wann sie Sinn hat und wie du sie schreibst.

Kein Brief an den Korrektor. Ein Gutachten über die Korrektur.

Eine Remonstration ist kein Beschwerdebrief. Sie ist ein sachlicher Antrag, die Bewertung zu überdenken, und sie funktioniert nur, wenn du konkrete Bewertungsfehler benennst. Hier steht, wie das geht.

Was eine Remonstration ist

Der Begriff kommt vom lateinischen remonstrare, wieder zeigen. Du zeigst dem Korrektor, wo seine Bewertung deiner Bearbeitung nicht gerecht wird. Rechtlich beruht das auf dem Anspruch auf eine fehlerfreie Prüfungsbewertung, den das Bundesverfassungsgericht aus der Berufsfreiheit abgeleitet hat. Der Korrektor muss deine Einwände zur Kenntnis nehmen und seine Bewertung überdenken. Er muss sie nicht ändern.

Erst die Frist, dann alles andere

Die Frist steht in der Prüfungsordnung oder im Hinweis des Lehrstuhls. Üblich sind ein bis zwei Wochen ab Rückgabe oder Einsichtnahme, es gibt aber Fakultäten mit fünf Werktagen und solche mit einem Monat. Maßgeblich ist der Eingang beim Lehrstuhl. Manche Lehrstühle verlangen die Teilnahme an der Klausurbesprechung als Voraussetzung. Das alles prüfst du am Tag der Rückgabe.

Was ein Bewertungsfehler ist

Kein Bewertungsfehler ist eine andere Gewichtung. Ob ein ausgelassener Nebenpunkt zwei oder drei Punkte kostet, liegt im Beurteilungsspielraum des Korrektors. Dagegen kommst du mit einer Remonstration nicht an.

Aufbau, der funktioniert

  1. Kopf: Name, Matrikelnummer, Klausur, Datum, bisherige Note, Antrag ("beantrage die Neubewertung").
  2. Je Einwand ein Absatz: Stelle in der Klausur (Seite, Absatz), was du geschrieben hast, was die Korrektur dazu sagt, warum das ein Bewertungsfehler ist, mit Beleg.
  3. Folgerung: Welche Punktzahl du für angemessen hältst und warum, kurz.
  4. Ton: Sachlich, ohne Vorwürfe, ohne "ich habe so viel gelernt". Die Person, die entscheidet, ist die Person, die korrigiert hat.

Mustertext

Sehr geehrte Frau Professorin ..., gegen die Bewertung meiner Klausur vom [Datum] im Fach [Fach] mit [X] Punkten lege ich fristgerecht Remonstration ein und beantrage die Neubewertung. 1. Auf Seite 3, zweiter Absatz, prüfe ich die Anfechtbarkeit nach § 119 Abs. 1 BGB. Die Randbemerkung lautet "nicht geprüft". Die Prüfung ist vorhanden und kommt mit Verweis auf [Fundstelle] zu einem vertretbaren Ergebnis. Ich bitte, diese Ausführungen bei der Bewertung zu berücksichtigen. 2. Auf Seite 6 wird mein Aufbau (Prüfung des Rücktritts vor dem Schadensersatz) als "aufbaufehlerhaft" bewertet. Dieser Aufbau entspricht [Fundstelle] und wird auch in der Lösungsskizze als möglich bezeichnet. Ein Punktabzug ist insoweit nicht gerechtfertigt. Unter Berücksichtigung dieser Punkte halte ich eine Bewertung mit [Y] Punkten für angemessen. Mit freundlichen Grüßen [Name, Matrikelnummer]

Typische Fehler, die eine Remonstration entwerten

Bei KorrekturKai ist die Remonstration in der App eingebaut. Du begründest deinen Einwand am Text, ein Jurist prüft die Bewertung nach und ändert die Punktzahl, wenn dein Einwand trägt. Das ist derselbe Maßstab wie an der Uni, nur schneller.

Häufige Fragen

Wie lange habe ich Zeit für eine Remonstration?

Das regelt die Prüfungsordnung oder der Lehrstuhl. Üblich sind ein bis zwei Wochen ab Rückgabe oder Einsicht, manche Universitäten gewähren länger, andere nur wenige Werktage. Die Frist ist meist eine Ausschlussfrist. Prüfe sie am Tag der Rückgabe, nicht später.

Kann eine Remonstration meine Note verschlechtern?

In der Regel nicht, weil das Verschlechterungsverbot für das Überdenkungsverfahren gilt. Prüfe trotzdem deine Prüfungsordnung. Ein Korrektor kann bei der erneuten Durchsicht andere Fehler bemerken, die Note darf dadurch aber üblicherweise nicht sinken.

Wie lang sollte eine Remonstration sein?

So kurz wie möglich. Zwei bis drei Seiten reichen fast immer. Je präziser du auf konkrete Bewertungsfehler zeigst, desto eher wird sie ernst genommen. Zehn Seiten allgemeine Kritik lesen Korrektoren nicht wohlwollend.

Was ist ein Bewertungsfehler und was nicht?

Ein Bewertungsfehler liegt vor, wenn eine vertretbare Lösung als falsch gewertet wurde, wenn Ausführungen übersehen wurden, wenn die Punkte nicht zur Begründung passen oder gegen allgemein anerkannte Bewertungsgrundsätze verstoßen wurde. Kein Bewertungsfehler ist, dass du eine andere Gewichtung für richtig hältst. Der Korrektor hat einen Beurteilungsspielraum.

Lohnt sich eine Remonstration bei einem Punkt Unterschied?

Wenn dieser eine Punkt über Bestehen oder Prädikat entscheidet, ja. Sonst ehrlich abwägen: Der Aufwand ist real, die Erfolgsquote bei rein gewichtungsbezogenen Einwänden gering.

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