Wie viele Klausuren vor dem Examen?
Die Frage wird in jedem Forum gestellt und immer mit einer Zahl beantwortet. Die Zahl ist die falsche Frage. Entscheidend ist, wie viele deiner Klausuren jemand ehrlich korrigiert hat und was du damit gemacht hast.
Was die Forschung sagt
Die bekannteste Untersuchung stammt von Towfigh, Traxler und Glöckner (ZDRW 2014): Ein klassischer Klausurenkurs mit rund 30 Probeklausuren hebt die Examensnote im Durchschnitt um etwa einen Notenpunkt. Ein Punkt klingt wenig. Auf der Jura-Skala ist es der Unterschied zwischen 8 und 9, also zwischen befriedigend und Prädikat.
Wichtig an der Zahl: Sie gilt für korrigierte Klausuren im Kurs. Über unkorrigierte Klausuren sagt sie nichts, und Erfahrungswerte deuten darauf hin, dass der Effekt dort deutlich kleiner ist.
Die ehrliche Antwort
- Unter 4 Punkten im Schnitt: 40 bis 60 korrigierte Klausuren über ein Jahr. Das Problem ist meist Methodik, und Methodik braucht Wiederholung.
- 4 bis 7 Punkte: 25 bis 40. Hier geht es um Schwerpunktsetzung und Problembewusstsein, und beides lernt man nur an Fällen.
- Über 7 Punkte: 15 bis 25, dafür konsequent unter Examensbedingungen. Es geht um Stabilität, nicht mehr um Wissen.
Warum die Korrektur wichtiger ist als die Zahl
Eine Klausur ist ein Experiment. Ohne Auswertung ist es nur Zeit. Die Musterlösung zeigt dir, was richtig war. Sie zeigt dir nicht, ob dein Aufbau tragfähig war, ob deine Subsumtion überzeugt und ob ein Korrektor dein Ergebnis als vertretbar gelten lässt. Das sagt dir nur eine Korrektur, und sie muss schnell genug kommen, dass du dich an die Klausur erinnerst.
Ein Rhythmus, der funktioniert
- Eine Klausur pro Woche über acht bis zehn Monate, unter Examensbedingungen: 300 Minuten, Handschrift, keine Hilfsmittel außer Gesetz.
- Korrektur innerhalb weniger Tage, sonst verlierst du den Bezug.
- Nacharbeit am nächsten Tag: Randbemerkungen lesen, Muster notieren, das Problem nochmal in der Musterlösung nachvollziehen.
- Alle vier Wochen: Fehlerprofil anschauen. Welches Muster bleibt? Genau das üben.
- Letzte zwölf Wochen: zwei bis drei Klausuren pro Woche, Rechtsgebiete im Examensrhythmus.
Häufige Fragen
Reichen 20 Klausuren vor dem Examen?
Für viele ja, wenn alle 20 korrigiert wurden und du die Korrekturen nachgearbeitet hast. 20 Klausuren ohne Korrektur bringen weniger als 10 mit. Wer unter 4 Punkten startet, braucht eher 40 bis 60.
Ist es sinnvoll, mehrere Klausuren pro Woche zu schreiben?
In den letzten drei Monaten vor dem Examen ja, zwei bis drei pro Woche. Davor ist eine pro Woche mit gründlicher Nacharbeit meist wirksamer, weil du zwischen den Klausuren die Fehler abstellen kannst, statt sie zu wiederholen.
Was bringt eine Klausur ohne Korrektur?
Zeitgefühl und Schreibroutine, sonst wenig. Du siehst zwar an der Musterlösung, was richtig gewesen wäre, aber nicht, warum du an der Stelle abgebogen bist und wie ein Korrektor deine Gewichtung bewertet hätte.
Wann sollte ich mit Examensklausuren anfangen?
Etwa ein Jahr vor dem Examen, parallel zum Repetitorium oder zur Uni-Vorbereitung. Wer erst im letzten Vierteljahr anfängt, hat keine Zeit mehr, Muster abzustellen.
Die nächste Klausur korrigiert Kai.
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