KI-Klausurkorrektur: wer, was, wo die Grenzen liegen.
Seit 2024 korrigieren KI-Systeme Juraklausuren, erst in Uni-Piloten, inzwischen für alle. Die Angebote unterscheiden sich mehr, als die Werbung vermuten lässt. Hier die wichtigsten, mit dem, was sie tun und was nicht. Angaben laut Anbieter, Stand September 2026.
Die Anbieter
KlausurenKIste
Start-up aus Köln, seit Februar 2026 offiziell am Markt. Feedback in unter einer Minute mit Randbemerkungen, Rohpunkten und Gesamtvotum, vier Abgaben und zwei eigene Fälle pro Monat, ab 7,50 € im Monat im Jahresabo, eine Korrektur gratis ohne Registrierung. Pilotprojekte an mehreren Universitäten, darunter Bielefeld, LMU München und Potsdam. Ein wöchentlicher KI-Klausurenkurs mit Live-Besprechung ist für 2026 angekündigt. Stärken: Preis, Uni-Anbindung, Rohpunkte-Transparenz. Nach unserem Verständnis keine menschliche Remonstrationsinstanz.
KorrekturKai
Jede Woche eine vollständige Examensklausur mit 300 Minuten Bearbeitungszeit, Sachverhalt und Musterlösung. Korrektur in Minuten mit Note von 0 bis 18 als Gesamtentscheidung, Votum, Randbemerkungen am Text und Fehlerprofil über die Wochen. Handschrift per Foto. Remonstration mit Prüfung durch einen Juristen, der die Note ändern kann. 29 € im Monat oder 299 € im Jahr. iOS-App und Browser. Schwächen, ehrlich: teurer als KlausurenKIste, keine eigenen Fälle hochladbar, kein kostenloser Einstieg.
DeepWrite
Forschungsprojekt der Universität Passau, gefördert vom BMBF. Untersucht KI-Assistenz für juristisches Schreiben und wurde in einem Online-Klausurenkurs erprobt. Kein Produkt, aber die Quelle vieler Erkenntnisse darüber, wo KI-Korrektur an Grenzen stößt: abweichende Lösungswege, Auslegungsfragen, Verhältnismäßigkeitsprüfungen.
Woran du eine gute KI-Korrektur erkennst
- Randbemerkungen am Text, nicht nur ein Gesamttext. Jede Bemerkung muss auf eine Stelle zeigen.
- Eine Note auf der Examensskala, die begründet ist. Nicht nur Punkte, sondern warum es genau diese sind.
- Kalibrierung an echten Korrekturen. Frag danach. Ein Anbieter, der das nicht misst, weiß nicht, ob er zu großzügig ist.
- Eine menschliche Instanz. KI kann überzeugend danebenliegen. Es muss einen Weg geben, das prüfen zu lassen.
- Transkript-Freigabe bei Handschrift. Bewertet werden darf nur, was du als deinen Text bestätigt hast.
Was keine KI ersetzt
Das Gespräch mit einem Korrektor über eine vertretbare, aber ungewöhnliche Lösung. Die Einschätzung, ob ein Aufbau in einem bestimmten Bundesland üblich ist. Und die Erfahrung, welche Probleme in welchem Prüfungsamt gerade beliebt sind. KI-Korrektur ersetzt die Wartezeit, nicht den Menschen. Deshalb halten wir die Remonstration durch einen Juristen für den wichtigsten Teil des Systems.
Häufige Fragen
Kann eine KI eine Jura-Klausur wirklich bewerten?
Ja, mit Einschränkungen. Studien und Pilotprojekte an mehreren Universitäten zeigen, dass KI-Korrekturen bei Standardfällen nah an menschlichen Bewertungen liegen, konsistenter sind und in Minuten vorliegen. Schwächer sind sie bei ungewöhnlichen, aber vertretbaren Lösungswegen und bei Auslegungsfragen. Deshalb braucht es eine menschliche Instanz für Zweifelsfälle.
Bewerten KI-Systeme zu großzügig?
Das ist die typische Schwäche und der Punkt, den du bei jedem Anbieter hinterfragen solltest. Frag, ob und wie die Bewertung an echten Examenskorrekturen kalibriert wird. Ein System, das dir konstant zwei Punkte mehr gibt als das Examen, schadet dir.
Rohpunkte oder Gesamtnote, was ist besser?
Beides hat Vor- und Nachteile. Rohpunkte machen nachvollziehbar, wo Punkte herkommen. Die Examensnote ist aber keine Punktesumme, sondern eine Gesamtentscheidung, bei der ein ausgelassener Schwerpunkt schwerer wiegt als die Summe seiner Teilpunkte. Ein gutes System zeigt beides: die Rohpunkte als Diagnose und die Note als Entscheidung.
Was ist DeepWrite?
Ein Forschungsprojekt der Universität Passau, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Es untersucht KI-Unterstützung für juristisches Schreiben und wurde in Klausurenkursen erprobt. Es ist kein kommerzielles Angebot für Studierende.
Die nächste Klausur korrigiert Kai.
Jede Woche eine Examensklausur, in Minuten korrigiert. 29 € im Monat, monatlich kündbar.
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