Warum dieselbe Klausur zwei Noten bekommt.
Über 80 Prozent der Jurastudierenden halten die Bewertung ihrer Klausuren nicht für objektiv. Die Zahlen geben ihnen recht. Hier steht, warum das so ist, was Studien dazu gemessen haben und was du daraus für deine Vorbereitung machst.
Die Zahlen
- Eine Untersuchung aus 2024 an der LMU München: Korrekturen derselben Klausur wichen im Durchschnitt um 6,47 Punkte voneinander ab.
- Über 80 Prozent der Jurastudierenden halten die Bewertung ihrer Prüfungsleistungen nicht für objektiv.
- Die Notenskala von 0 bis 18 wird kaum ausgeschöpft: Die obersten Stufen werden praktisch nicht vergeben, die Masse liegt zwischen 3 und 8 Punkten.
Warum das so ist
Bezahlung pro Klausur
Universitäten vergeben Korrekturen an externe Korrektoren, bezahlt pro Klausur, nicht pro Stunde. Aus Foren und Berichten ist bekannt, dass für eine zweistündige Klausur etwa eine halbe Stunde vergütet wird. Wer davon leben will, korrigiert in dieser Zeit. Fünfzig Klausuren an zwei Tagen sind keine Ausnahme. Das Ergebnis ist die berühmte Korrektur: "Schwerpunkte nicht erkannt, trotz erheblicher Fehler noch 5 Punkte."
Keine gemeinsamen Kriterien
Es gibt Lösungsskizzen, aber keine verbindlichen Bewertungsschemata. Ob ein ausgelassener Nebenpunkt einen oder drei Punkte kostet, entscheidet der Korrektor. Zwei Korrektoren, zwei Gewichtungen, zwei Noten.
Das Zweitvotum als Formalie
Im Examen gibt es einen Zweitkorrektor. Die Rechtsprechung lässt für das Zweitvotum ein "Einverstanden" genügen. Größere Abweichungen bedeuten Aufwand, also gibt es sie selten. Der Zweitkorrektor ist damit keine echte zweite Meinung.
Was du daraus machst
- Eine Note ist ein Datenpunkt, kein Urteil. Erst über mehrere Klausuren zeigt sich, wo du stehst.
- Achte auf die Begründung, nicht auf die Zahl. Zwanzig Randbemerkungen bei 5 Punkten sind wertvoller als 7 Punkte mit einem Satz.
- Übe unter konsistenten Bedingungen. Wenn jede Klausur von jemand anderem nach anderem Maßstab bewertet wird, kannst du deinen Fortschritt nicht messen.
- Lerne remonstrieren. Nicht aus Trotz, sondern weil Bewertungsfehler real sind und das Überdenkungsverfahren dafür da ist.
Häufige Fragen
Wie stark schwanken Klausurnoten zwischen Korrektoren?
Erheblich. Eine Untersuchung aus 2024 an der LMU München fand im Durchschnitt 6,47 Punkte Abweichung zwischen Korrekturen derselben Klausur. Auf einer Skala von 18 Punkten ist das der Unterschied zwischen ausreichend und vollbefriedigend.
Warum sind Uni-Korrekturen oft so knapp?
Weil Korrektoren pauschal pro Klausur bezahlt werden, teils mit einer halben Stunde für eine zweistündige Klausur. Wer davon leben muss, korrigiert schnell. Das ist kein Vorwurf an die Korrektoren, sondern ein Systemproblem.
Was heißt das für meine Übungsklausuren?
Dass eine einzelne Note wenig aussagt. Schreibe genug Klausuren, damit sich Muster zeigen, und achte darauf, dass die Korrektur begründet ist. Eine 5 mit einem Satz Begründung hilft dir weniger als eine 5 mit zwanzig Randbemerkungen.
Die nächste Klausur korrigiert Kai.
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